|





|
weiter zu
Äsop 1

Äsop (altgr.
Αἴσωπος
— Aísōpos, lat. Aesopus, eingedeutscht Aesop, Aisop, seltener
Aisopus) war ein berühmter griechischer Dichter von Fabeln und
Gleichnissen und lebte um 600 v. Chr. Er gilt als der Begründer der
Fabeldichtung, und so wurde sein Name zum Gattungsnamen für die
Fabeldichtung überhaupt.
Wie wurde aus Äsop ein Fabeldichter?
Eine kleine Mär, habe ich bei dem
Fabeldichter Johann Friedrich August Kazar
1732-1798 gefunden.
Äsop war einst ein Hirte. Er weidete seine Herden bei einem Tempel
Merkurs, und, als ein Liebhaber der Weisheit, bat er den Gott um
dieses Geschenk.
Sehr viele andere kamen auch in den Tempel des Merkurs, um darum zu
bitten. Der eine brachte Gold mit sich, der andere Silber, wiederum
einer einen Heroldsstab von
Elfenbein, oder sie behängten sonst eine Kostbarkeit an dem Altar
auf.
Äsop hatte nichts dergleichen zu schenken, und auch das, was er
hatte, schenkte er
sparsam. Nur so viel Milch, als er von einem Schaf erhielt, und
soviel Honigwaben, als er in die Hand fassen konnte. Jene glaubten
ihm angenehme Geschenke zu bringen, wenn sie ihn mit Myrten
bedeckten. Aber er brachte nur wenige Rosen und Veilchen. Ich
sollte, sprach er Kränze flechten, und meine Herde darüber
vergessen?
Als der Tag, an welchem Weisheit ausgeteilt werden sollte,
herbeigekommen war, sagte Merkur, als ein kluger Gott, der seine
Gaben nach den Geschenken ziemlich einzurichten wusste, zu dem, der
am meisten gebracht hatte: "Du sollst die Weltweisheit zum Geschenk
haben!" Zum Andern: "Du sollst ein Redner sein!" Zu dem Dritten: "Du
ein Sternenkundiger!" Zu dem Vierten: "Und du ein
Musikverständiger!" dieser ein epischer, jener ein Jambendichter.
Alle Schätze der Weisheit hatte er ausgeteilt, als er bemerkte, dass
Äsop vergessen war.
Er besann sich, dass ihm, als einem Kinde, bei
seiner Erziehung auf dem Gipfel des
Olymps, die Horen eine Fabel erzählten, wie einst eine Kuh sich mit
einem Menschen
von sich selbst, und von der Erde unterredet habe, und dass er von
der Zeit an die
Herden des Apollo liebte. Daher gab er dem Äsop die Kunst, Fabeln zu
dichten, die in
seinem Vorrat von Weisheit, noch allein übrig war.
"Hier hast du," sprach er, "was ich selbst zuerst gelernt habe."
Daher weiß Äsop seinen Fabeln so vielfache Gestalten zu geben, und
dies ist der
Ursprung der Fabel! ;-)
Der Überlieferung nach soll er aus Phrygien stammen, nach
Aristoteles aber war er Thraker. Lokalisiert wird er durch Herodot
in Ionien, in Samos im 6. Jahrhundert, zeitgleich mit Sappho.
Er
soll als Sklave mehreren Herren gedient haben, bis ihn der Samier
Iadmon freiließ. Angeblich kam er dann an den Hof des Königs
Kroisos, dessen Vertrauen er durch seinen klugen Witz in solchem Maß
gewann, dass er ihn auf mehrere Gesandtschaften schickte; auf einer
solchen nach Delphi wurde Äsop von den dortigen Priestern wegen
Gotteslästerung ermordet, wie Aristophanes berichtet.
Hier der Bericht:
Äsop in Delphi – sein Tod
Sein Tod ist von Legenden umwoben - er soll in Delphi unschuldig
hingerichtet worden
sein.
Als Äsop einmal durch Griechenland zog und überall durch seine
Fabeln seine Weisheit
zeigte, erwarb er sich den Ruf, ein sehr weiser Mann zu sein.
Zuletzt kam er nach Delphi, der angesehenen Stadt und dem Sitz der
obersten
Priesterschaft. Dort folgten ihm viele Menschen, weil sie ihm
zuhören wollten; von den
Priestern aber wurde er nicht ehrenvoll empfangen. Da sagte Äsop:
"Ihr Männer von
Delphi, ihr seid wie das Holz, das von dem Meer an den Strand
geschwemmt wird.
Solange es fern ist, scheint es groß zu sein, wenn es aber nahe
herangekommen ist,
dann sieht man, dass es in Wirklichkeit klein ist. So ging es auch
mir mit euch. Solange
ich noch weit von eurer Stadt entfernt war, dachte ich, dass ihr die
Vornehmsten von
allen wäret, jetzt aber, in eurer Nähe, erkenne ich, dass ihr nicht
viel taugt."
Als die Priester solche Reden hörten, sagten sie zueinander: "Dieser
Mann hat in
anderen Städten eine große Anhängerschaft. Es könnte sein, dass
unter solcher üblen
Nachrede unser Ansehen leidet oder dass wir es sogar ganz verlieren.
Wir müssen also
auf unserer Hut sein!
Da beratschlagten sie, auf welche Weise sie ihn unter dem Vorwande,
er sei ein böser
Kirchenräuber, töten könnten; denn sie wagten es wegen des Volkes
nicht, ihn (ohne
einsichtigen Grund) öffentlich töten zu lassen.
So ließen sie aufpassen, bis der Knecht Äsops die Sachen seines
Herrn für die Abreise
zusammenpackte. Da nahmen sie eine goldene Schale aus dem Tempel des
Apoll und
versteckten sie heimlich im Reisegepäck Äsops.
Äsop wusste von all den hinterhältigen Machenschaften nichts, die
gegen ihn im Gange
waren, und als er nach Phokis zog, eilten die Priester ihm nach und
nahmen ihn mit
großem Geschrei gefangen. Und als Äsop sie fragte, warum sie ihn
gefangen nähmen,
schrien sie:
"Du unanständiger Mensch, du Verbrecher! Warum hast du
den Tempel des
Apoll beraubt?"
Als Äsop vor allen leugnete und sich über diese Beschuldigung
entrüstete, öffneten die
Priester sein Bündel und fanden die goldene Schale. Die zeigten sie
jedem einzelnen
und führten Äsop wie einen Kirchenräuber ungestüm und unter großem
Tumult ins
Gefängnis.
Äsop wusste auch da noch nichts von all den hinterhältigen
Anschlägen, die man
gegen ihn ins Werk gesetzt hatte, und bat, man möge ihn freilassen.
Sie aber
bewachten ihn daraufhin nur noch schärfer, [...] verurteilten ihn
öffentlich, weil er sich
des Kirchenraubs schuldig gemacht habe, und führten ihn aus dem
Gefängnis, um ihn
von einem Felsen hinab zu stoßen.
Als Äsop das merkte, sprach er zu ihnen:
Zu der Zeit, als die unvernünftigen Tiere noch in Frieden
miteinander lebten, gewann
eine Maus einen Frosch lieb und lud ihn zum Nachtmahl ein. Sie
gingen miteinander in
die Speisekammer eines reichen Mannes, in der sie Brot, Honig,
Feigen und mancherlei
leckere Sachen fanden. Da sprach die Maus zum Frosch: "Nun iss von
diesen Speisen,
welche dir am besten schmecken!" Als sie sich nach Herzenslust satt
gefressen hatten,
sprach der Frosch zu der Maus: "Nun sollst du auch meine Speisen
versuchen.
Komm mit mir! Weil du aber nicht schwimmen kannst, will ich deinen
Fuß an meinen
binden, damit dir kein Leid geschieht." Als er aber die Füße
zusammengebunden hatte,
sprang der Frosch ins Wasser und zog die Maus mit sich hinab. Als
die Maus merkte,
dass sie sterben musste, begann sie zu schreien und klagte: "Ich
werde ohne Schuld
das Opfer gemeiner Hinterlist. Aber von denen, die am Leben bleiben,
wird einer
kommen, der meinen Tod rächt." Während sie das sagte, kam ein
Habicht heran,
ergriff die Maus und den Frosch und fraß sie beide.
So werde ich ohne Schuld von euch getötet, und ihr werdet um der
Gerechtigkeit
willen dafür bestraft, wenn Babylon und Griechenland über das
Verbrechen reden
werden, das ihr an mir begeht.
Obwohl die Priester das hörten, ließen sie ihn nicht los, sondern
führten ihn an die
Stelle, wo er sterben sollte, und stießen ihn den Felsen hinab.
Bei den Äsopischen Fabeln handelt es sich um mythische und säkulare
kurze
Geschichten, die als Gleichnis in Erscheinung treten. Die
angesprochenen menschlichen
Schwächen sind nie außergewöhnlich:
Neid, Dummheit, Geiz, Eitelkeit usw. Stoffe und
Figuren stammen aus
dem Horizont des kleinen Mannes im Griechenland des 6. Jhd. v. Chr. Handlungsträger sind Tiere, Pflanzen, gar Götter oder
bekannte Menschen der Zeit.
Das Geschehen in den Äsopischen Fabeln
hatte für die Menschen seiner Zeit eine
unmittelbar einleuchtende
Aussage oder aber eine behutsam in Form einer Allegorie
verpackte
Bedeutung. Äsops Fabeln werten, urteilen und demaskieren zwar,
vernichten oder verdammen aber nicht.
Anmerkungen zu den Bildern:
Der berühmte
"Ulmer Aesop" ist eines der Hauptwerke der deutschen
Buchillustration im
15. Jahrhundert. Warum "Ulmer Aesop"? Der Ulmer Humanist und Stadtarzt
Heinrich Steinhöwel 1412-1482 tat sich insbesonders als
Übersetzer der Äsopfabeln hervor. Er illustrierte sie mit 190 zauberhaften
Holzschnitt-Illustrationen, (um 1476) die von der
Fachwelt
dem Meister des Ulmer Chorgestühls, Jörg Syrlin d.Ä.,
zugeschrieben werden.
weiter zu
Äsop 1
|
|