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Fabelverzeichnis
Ivan Andrejewitsch
Krylow
Aleksandr N. Afanas'ev
1826-1871
Der listige Bär
Es lebte einst eine alte Frau. Ihre Hütte stand abseits des Dorfes,
der Hof war
schlecht umzäunt, doch Vieh war genügend da: eine Kuh und sechs
Schafe. Im Winter
schweifen aber überall Wölfe und Bären umher. Und so nahm ein Bär
die schlechte
Gewohnheit an und kam allnächtlich zu der Alten und fraß ihre
Schafe. Er durchbrach
hinten den Zaun, fraß ein Schaf, dann ein zweites. Die Alte begann
Wache zu halten,
sie warf über sich ein so dummes Zeug, dass selbst die Nacht für sie
wie der Tag
erschien. Sie scherte von den Schafen, die der Bär tötete, die
Wolle, und so saß sie
nun die ganze Nacht und spann.
Der Bär kam also öfter, getrieben davon, ein Schäflein zu essen –
doch hier war nichts
zu holen! Kaum war der Bär hinter dem Zaun, da knarrte die Alte mit
der Tür und kam
nach draußen. Der Bär hörte vor Wut auf, von hinten her zu kommen,
sondern kam von
vorn vor das Fenster der Alten und sang das Lied: "Singe, singe, du
Geige, auf dem
Fuß aus Lindenbast!
Das Wasser schläft, und auch die Erde schläft;
nur allein die Alte
schläft nicht, sie spinnt ihre Wolle!"
Die Alte kam hinter dem Tor heraus, um zu sehen, wer da so schön
singt, und der Bär
flitzte zurück zu der Umzäunung, schnappte sich ein Schaf, und weg
war er im Wald.
Und eben auf diese Weise schleppte er alle Schafe hinüber. Die arme
Alte riss ihre
Hütte ab und siedelte in ein Eckchen zu ihrem Bruder über.
Sie begannen nun gemeinsam zu leben und wohl zu leben, das Gute zu
erleben und das
Böse zu umgehen.
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