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Der Leich
 

Alterslieder
ab 1220

 

Fr Werlt, ir sult dem wirte sagen
Dialoglied. Alterslied "Weltklage"


Das ist ein Lied der Abrechnung in Skepsis, auch Weisheit und sehr groer Wehmut.
 

1.
Fr Werlt, ir sult dem wirte sagen,
daz ich im gar vergolten habe,
mn grste glte ist abe geslagen,
daz er mich von dem briefe schabe.
Swer im eht sol, der mag wol sorgen:
ich im lange schuldig wre,
ich wolt zeinem juden borgen.
er swget unz an einen tag,
s wil er danne ein wette hn,
s jener niht vergelten mag.


2.
"Walther, d zrnest ne nt,
d solt b mir belben hie.
gedenke, waz ich dir ren bt,
waz ich dir dnes willen lie,
als dicke d mich sre bte.
mir was vil inneclche leit,
daz dz ie s selten tte.
bedenke dich, dn leben ist guot.
s d mir rehte widersagest,
sn wirst d niemer wol gemuot."


3.
Fr Werlt, ich hn ze vil gesogen,
ich wil entwonen, des ist zt.
dn zart ht mich vil nch betrogen,
wand er vil sezer friden gt.
d ich dich gesach reht under ougen,
d was dn schne an ze schouwen
wunderlch al sunder lougen.
doch was der schanden al ze vil,
d ich dn hinden wart gewar,
daz ich dich iemer schelten wil.


4.
"St ich dich niht erwenden mag,
s tuo doch ein ding, des ich ger:
gedenke an mangen liehten tag
und sich doch underwlent her,
niuwan s dich der zt betrge."
daz tte ich wunderlchen gerne,
wan daz ich frhte dne lge,
vor der sich nieman kan bewarn.
got gebe iuch, frouwe, guote naht,
ich wil ze herberge varn.

 

Frau Welt, Ihr sollt dem Wirte sagen, da ich ihm
alles abgegolten habe, meine bergroe Schuld ist
abgetragen, so da er mich aus dem Schuldbrief
schaben kann. Wer immer ihm etwas schuldet,
der hat wohl Grund besorgt zu sein:
Eh ich ihm lange verschuldet wre,
wollte ich eher bei einem Juden borgen.
Er schweigt bis zu dem gewissen einen Tag,
dann will er ein Pfand haben,
wenn jener nicht bezahlen kann.

2.
"Walther, Du zrnst ohne Grund,
Du sollst hier bei mir bleiben.
Denke daran, was ich Dir an Ehren geboten habe,
wie ich Dir nach deinem Wunsch gestattete,
sooft Du mich sehr darum gebeten hast.
Mir war es gar herzlich leid,
da Du es stets so selten getan hast.
Bedenke, Dein Leben ist gut.
Falls Du mir wirklich abschwrst,
so wirst Du nie mehr wohlgemut sein."

3.
Frau Welt, ich habe zu viel genossen,
ich will mich entwhnen, dafr ist es Zeit.
Deine Zrtlichkeit hat mich beinahe verblendet,
da sie viel se Freuden gibt.
Als ich Dir grade in die Augen blickte,
da war Deine Schnheit wunderbar
anzusehen ganz ohne Zweifel.
Doch war es gar zu viel des Schndlichen,
als ich Deiner Rckseite gewahr wurde,
so da ich Dich immer schmhen werde.

4.
"Da ich dich nicht umstimmen kann,
so tue doch eines, um das ich bitte:
denke an manch einen heiteren Tag
und schaue doch bisweilen vorbei,-
nur, wenn Dir die Zeit lang wird."
Das wrde ich wirklich beraus gerne tun,
wenn ich nicht Deinen Hinterhalt frchtete,
vor dem sich niemand bewahren kann.
Gott gebe Euch, Herrin, eine gute Nacht,
ich will mich zur Herberge aufmachen.


 

Ow, war sint verswunden alliu miniu jr
("Elegie")


Das Leben ist ein Traum, - von Schmerz und Bitterkeit verschleierter Altersblick auf Natur, Sitte, Mode der Jugendzeit dort -
und die Gegenwart hier: verbraucht, verflogen und verweht, was einst Glanz und Glck des Lebens war.
Ein uerst schwermtiges und trauriges Lied, eine "Elegie".

 
1.
Ow, war sint verswunden alliu mniu jr!
ist mir mn leben getroumet, oder ist ez wr?
daz ich ie wnde, daz iht wre, was daz iht?
dar nch hn ich geslfen und enweiz ez niht.
n bin ich erwachet und ist mir unbekant,
daz mir hie vor was kndic als mn ander hant.
liute unde lant, danne ich von kinde bin gezogen,
die sint mir worden frmde als ob ez s gelogen.
die mne gespilen wren, die sint traege und alt.
bereitet ist daz velt, verhouwen ist der walt.
wan daz daz wazzer fliuzet als ez wlent flz,
fr wr, ich wnde, mn ungelcke wurde grz.
mich grezet maniger trge, der mich bekande wol.
diu werlt ist allenthalben ungenaden vol.
als ich gedenke an manigen wunneclchen tac,
die mir sint enphallen als in daz mer ein slac:
iemer mre ow!


2.
Ow, wie jmerlche junge liute tuont!
den vil wnneclchen ir gemete stuont,
die kunnen niuwan sorgen,ow, wie tuont si s?
swar ich zer werlte kre, d ist nieman fr:
tanzen unde singen zergt mit sorgen gar,
nie kristen man gesach s jmerlche schar.
n merkent, wie den frouwen ir gebende stt,
die stolzen ritter tragent drpellche wt.
uns sint unsenfte briefe her von Rme komen,
uns ist erloubet trren und fride gar benomen.
daz met mich inneclchen - wir lebten ie vil wol, -
daz ich n fr mn lachen weinen kiesen sol.
die wilden vogellin betrebet unser klage, waz wunders
ist ez denne,ob ich d von verzage?
waz spriche ich tumber man durch mnen bsen zorn:
swer dirre wunne volget, der ht jene dort verlorn.
iemer mr ow.


3.
Ow, wie uns mit sezen dingen ist vergeben!
ich sihe die bittern gallen in dem honige sweben:
die werlt ist zen schne, wz gren unde rt,
und innen swarzer varwe, vinster sam der tt.
swen si n verleitet habe, der schouwe snen trst:
er wird mit swacher buoze grzer snde erlst.
dar an gedenkent, ritter, ez ist iuwer dinc!
ir traget die liehten helme und manigen herten rinc,
dar zuo die vesten schilte und die gewhten swert.
wolte got, waer ich der sigennfte wert,
s wolte ich ntic man verdienen rchen solt.
joch meine ich niht die huoben noch der hrren golt.
ich wolte slden krne weclchen tragen,
die mohte ein soldenr mit snem sper bejagen.
mhte ich die lieben reise gevarn ber s,
s wolte ich denne singen wol und niemer mr ow!

 
1.
Ach weh, wohin sind alle meine Jahre entschwunden!
Habe ich mein Leben getrumt oder ist es wirklich?
Was ich jemals glaubte, da es sei, war das etwa nicht?
Demnach habe ich geschlafen und wei es nicht.
Nun bin ich erwacht, und mir ist unbekannt,
was mir vordem bekannt war wie meine eigene Hand.
Leute und Land, von denen ich als junger Mann weggezogen bin,
die sind mir fremd geworden, als ob es erlogen gewesen sei.
Die meine Gespielen waren, die sind trge und alt.
Angelegt ist das Feld, gerodet ist der Wald.
Wenn nicht das Wasser flsse, wie es einstens flo,
frwahr, ich knnte glauben, mein Unglck sei gro.
Mich grt mancher trge, der mich einst gut kannte,
die Welt ist allenthalben voller Undank.
Wenn ich an manch freudvolle Tag gedenke,
die mir verschwunden sind wie ein Schlag ins Meer:
immerdar: ach weh!


2.
Ach weh, wie jmmerlich verhalten sich die jungen Leute!
Denen frher ihr Gemt hochgestimmt war, die knnen nichts
als sich sorgen, ach, warum verhalten sie sich so?
Wohin in der Welt ich mich wende, da ist niemand froh:
Tanzen und singen gehen ganz in Sorgen unter,
kein Christenmensch sah jemals eine so jmmerliche Schar.
Seht nur, wie den Damen ihr Kopfputz steht,
die stolzen Ritter tragen unhfische Kleidung.
Uns sind unfreundliche Schreiben aus Rom zugekommen.
und ist Trauern erlaubt und Freude ganz genommen.
Das bedrckt mich im Innern wir lebten immer, sehr gut,-
da ich nun mein Lachen Weinen eintauschen soll.
Die Vglein in der Wildnis betrbt unsere Klage, was wunder,
ist es dann, wenn ich darob verzage?
Aber ach, was sage ich, trichter Mensch, in meinem bsen
Zorn: Wer der Freude hier nachgeht, der hat jene dort verloren:
immerdar: ach weh!

3.
Ach weh, wie wir mit sen Dingen vergiftet sind!
Ich sehe die bittere Galle in dem Honig schwimmen:
Die Welt ist auen schn, wei, grn und rot
und innen von schwarzer Farbe, finster wie der Tod.
Wen sie nun verfhrt haben sollte, der erblicke seine Rettung:
er wird durch geringe Bue von groer Snde erlst.
Daran denkt, Ritter, es ist Eure Sache!
Ihr tragt die hellen Helme und viele harte Panzer,
dazu die festen Schilde und die geweihten Schwerter.
Wollte Gott, ich wre der kommenden Siege wrdig,
so wollte ich geringer Mann mir reichen Lohn erdienen.
Doch meine ich nicht die Gter noch das Gold der Herren.
Ich wollte ewig die Krone der Seligkeit tragen,
die konnte ein Sldner mit seinem Speer erringen.
Knnte ich die heilversprechende Fahrt bers Meer machen,
so wollte ich denn lobsingen und nimmermehr: ach weh!

 
Ir reiniu wp, ir werden man
("Alterston")


Eines der bedeutendsten Schpfungen der mittelhochdeutschen Lyrik.
 
1.
Ir reiniu wp, ir werden man,
ez stt als, daz man mir muoz
re und minneclchen gruoz
n volleclcher bieten an.
des habent ir von schulden groezer reht danne .
welt ir vernemen, ich sage iuch wes:
wol vierzig jr hab ich gesungen unde m
von minnen und als iemen sol.
d was ich sn mit den andern geil,
n enwirt mirs niht, ez wirt iuch gar.
mn minnesang, der diene iuch dar
und iuwer hulde s mn teil.

2.
Lt mich an eime stabe gn
und werben umbe werdekeit
mit unverzagter arebeit,
als ich von kinde hn getn,
s bin ich doch, swie nider ich s, der werden ein,
genuoc in mner mze h!
daz hazzent die nidern, ob mich daz iht swache? nein!
die werden hnt mich deste baz.
diu werde wirde; diu ist s guot,
daz man irz beste lop sol geben.
ez wart nie lobelcher leben,
sw man dem ende rehte tuot.


3.
Werlt, ich hn dnen ln ersehen:
swaz d mir gst, daz nimest d mir.
wir scheiden alle blz von dir.
schame dich, sol mir alsam geschehen!
ich hn lp unde sle -des was gar ze vil -
gewget tsent stunt durch dich.
n bin ich alt und hst mit mir dn gumpelspil,
und zrne ich daz, s lachest d.
lache uns eine wle noch!
dn jmertac wil schiere komen
und nimt dir, daz d uns hst benomen,
und brennet dich dar umbe ie doch.


4.
Mn sle meze wol gevarn!
ich hn zer werlte manigen lp
gemachet fr, man unde wp.
kunde ich dar under mich bewarn!
lobe ich des lbes minne, daz ist der sle leit
und giht, ez s ein lge, ich tobe.
der wren minne giht si ganzer sttekeit,
wie guot si s, wie si iemer wer.
"Lp, l die minne, diu dich lt
und habe die stten minne wert!
mich dunket, der d hst gegert,
diu s niht visch unz an den grt."


5.
Ich ht ein schne bilde erkorn,
und ow, daz ichz ie ie gesach
und ouch s vil zuo ime gesprach!
ez ht schne und rede verlorn.
d was ein wunder inne, daz vuor ich enweiz war,
d von gesweic daz bilde ies.
sn lilien rse varwe wart so karker var,
daz ez verls smac unde schn.
mn bilde, ob ich gekerchet bin
in dir, s l mich z als,
daz wir ein ander vinden fr,
wan ich muoz aber wider in.

 
1.
Ihr reinen Frauen, Ihr edlen Mnner,
es ist an dem, da man mir mu
Ehrerbietung und liebreichen Gru nun noch
reichlicher entgegenbringen.
Dazu habt Ihr mit gutem Grund mehr Anla als
frher. Wollt Ihr es hren, sage ich Euch, weshalb:
Wohl vierzig Jahre habe ich gesungen und mehr
von der Minne und wie man leben soll.
Damals war ich darber mit den andern froh,
nun habe ich nichts mehr davon, es wird Euch allein
zuteil. Mein Minnesang, der mge Euch weiterhin
dienen, und Eure Gunst sei mein Teil.

2.
Lat mich an einem Stabe gehen und nach
Anerkennung streben mit unverzagtem Bemhen,
wie ich es von Jugend auf getan habe,
so bin ich doch, wie gering ich auch sein mag,
einer der Edlen hoch genug nach meinem Ma!,
Das rgert die Niedriggesinnten. Ob mich das
etwa herabsetzt? Nein!
Die Edlen schtzen mich desto mehr.
Das ehrenwerte Ansehen, das ist so gut,
da man ihm das hchste Lob zollen soll.
Es hat nie ein lobenswerteres Leben gegeben
als dort, wo man dem Ende Rechnung trgt.

3.
Welt, ich habe Deinen Lohn kennengelernt:
Was Du mir gibst, das nimmst Du mir.
Wir scheiden alle nackt von Dir,
schme Dich, wenn es mir ebenso ergehen soll!
Ich habe Leib und Seele tausendmal das war gar
zu viel fr Dich gewagt. Nun bin ich alt,
und du treibst mit mir dein Possenspiel,
und zrne ich darber, so lachst Du
Verlache uns nur noch eine Weile!
Dein Jammertag wird bald kommen
und nimmt Dir, was du uns genommen hast,
und verbrennt Dich auerdem noch dafr.

4.
Meiner Seele mge es wohl ergehen!
Ich habe in der Welt manch einen
froh gemacht - Mnner und Frauen.
Htte ich mich dabei bewahren knnen!
Preise ich die irdische Minne, ist es der Seele leid und
sie sagt, es sei eine Lge, ich sei nicht bei Sinnen.
Der wahren Minne spricht sie volle Bestndigkeit zu,
wie gut sie sei, wie immerdar whre.
"Mensch, la ab von der Minne, die Dich lt,
und halte die bestndige Minne hoch!
Mich dnkt, die du begehrt hast,
die ist nicht Fisch bis zur Grte."

5.
Ich hatte ein schnes Bild erwhlt,
aber ach, da ich es je erblickt habe
und auch so viel mit ihm gesprochen habe!
Es hat Schnheit und Sprache verloren.
Es wahr etwas Wunderbares in ihm, das ist
entflohen, ich wei nicht, wohin,
darob verstummte das Bild alsogleich.
Seine Lilien- und Rosenfarbe wurde kerkerfahl,
da es Duft und Glanz verlor.
Mein Bild, da ich gefesselt bin an Dich, so la mich
frei, so da wir froh einander wiederfinden,
wenn ich wieder zu Dir zurck mu.

 
Ein meister las
(Alterslied)


Bu- und Reuelied. Ein lyrisches Ich reflektiert vor seinem Tode seinen gegenwrtigen seelischen Zustand.
 
1.
Ein meister las,
troum und spiegelglas,
daz si zem winde
b der stte sn gezalt.
loup und gras,
daz ie mn fride was
(swie ich n erwinde,
ich dunke mich als gestalt),
dar zuo bluomen manigvalt,
diu heide rt, der grene walt
der vogelln sanc ein trrig ende ht
darzuo der linde
seze und linde.
s w dir, Werlt, wie dirz gebende stt!

2.
Ein tumber wn,
den ich zer welte hn,
der ist wandelbre,
wand er bsez ende gt.
ich solte in ln,
wan ich mich wol verstn,
daz er iht gebre
mner sle grzen nt.
mn armez leben in sorgen lt,
der buoze wre michel zt.
n vrhte ich siecher man den grimmen tt,
daz er mit swre
an mir gebre.
vor vorhten bleichent mir diu wangen rt.


3.
Wie sol ein man,
der niuwan snden kan,
hn gout gedingen
oder gewinnen hhen muot?
st ich gewan
den muot, daz ich began,
zer werlte dingen,
merken bel unde guot,
d greif ich, als ein tre tuot,
zer winstern hant rehte in die gluot,
und mrte ie dem tiuvel snen schal.
des muoz ich ringen,
mit sorgen dingen.
n ringe und senfte ouch Jsus mnen val.

4.
Heiliger Krist,
st d gewaltig bist
der werlte gemeine,
die nch dir gebildet sint,
gib mir die list,
daz ich in kurzer frist
alsam gemeine
dich sam dne erwelten kint.
ich was mit gesehenden ougen blint
und aller guoten dinge ein kint,
swie ich mne missett der werlte hal.
mache mich reine,
mne unreine
sle versinke in daz verlorne tal.

 
1.
Ein Weiser sagte,
da Traum und Spiegelglas,
was ihre Bestndigkeit anlangt,
dem Winde zugezhlt seien.
Laub und Gras,
die stets meine Freude waren
(wie ich nun dem Ende zugehe,
dnke ich mich ebenso beschaffen),
dazu vielerlei Blumen,
die rote Heide, der grne Wald,
der Vglein Gesang haben ein trauriges Ende,
auerdem der Linde
Wohlgeruch und Milde.
Ach weh Dir, Welt, wie Dir Dein Kopfputz steht!

2.
Ein trichter Glaube,
den ich in Bezug auf die Welt habe,
der ist tadelnswert,
weil er zu einem bsen Ende fhren wird.
Ich sollte ihn aufgeben,
da ich das klar sehe,
damit er nicht mit sich bringt
groen Schaden fr meine Seele.
Mein armes Leben steckt in Sorgen,
zur Bue wre hchste Zeit.
Nun frchte ich kranker Mann den grimmen Tod,
da er mit Schmerzen
sich an mir vollziehe.
Vor Angst erbleichen mir die roten Wangen.

3.
Wie soll ein Mensch,
der nichts als sndigen kann,
gute Hoffnung haben
oder Zuversicht gewinnen?
Seit ich erworben habe
die Fhigkeit, damit zu beginnen,
ber die Welt zu urteilen,
bel und gut zu unterscheiden,
da griff ich, wie es ein Tor tut,
voll in die Glut zur linken Hand und
mehrte stets dem Teufel sein Triumphgeheul.
Deswegen mu ich mich abqulen, mit Sorgen
hoffen. Nun mge Jesus auch
meinen Tod sanft und leicht machen.

4.
Heiliger Christ,
da Du Gewalt hast
ber die weltliche Gemeinschaft derer,
die nach Dir gebildet sind,
gib mir die Einsicht,
da ich in kurzer Zeit
Dich ebenso in meine Gedanken aufnehme
wie Deine auserwhlten Kinder.
Ich war mit sehenden Augen blind und
gegenber allem Guten wie ein Kind, wiewohl
ich mein Fehlverhalten der Welt verhehlte.
Mache mich rein,
ehe meine unreine
Seele in das Tal der Verlorenen hinabsinkt.

 
Ich will n teilen, ich var
("Testamentstrophe". Einzelstrophe)


Abschiedsstrophe in der Art eines Testaments.
 
Ich will n teilen, ich var,
mn varnde guot und eidens vil,
daz ieman drfe strten dar,
wan den ichz hie bescheiden wil:
al mn ungelcke will ich schaffen jenen,
die sich hazzes unde ndes wenen,
dar zuo mn unslikeit.
mne swre
haben die lgenre,
mn unsinnen
schaffe ich den, die mit velsche minnen,
den frouwen nch herzeliebe senendiu leit.

 
Ich will nun verteilen, ehe ich mich aufmache,
meine bewegliche Habe und viel meines Grundeigentums,
damit niemand darum zu streiten braucht,
auer denen, denen ich es hiermit zusprechen will:
All mein Migeschick will ich jenen vermachen,
die Ha und Neid gewohnt sind,
dazu mein Unglck.
Meinen Kummer
mgen die Lgner haben,
meine Torheit
vermache ich denen, die mit Falschheit lieben,
den Damen nach Herzensliebe sehnschtigen Schmerz.

 
Wie sol man gewarten dir
(Weltklage Alterslied?)

Eines der hufiger berlieferten Lieder. Eine Weltanklage im Rahmen einer persnlichen Welt-Mahnung aus der
resignierten Rckschau nach langem Dienst.
Wie in anderen Altersliedern erscheint die Welt personifiziert als Frau Welt, die sich launisch und ungerecht,
verdienten Lohn-Forderungen entziehen will.

 
1.
Wie sol man gewarten dir,
Werlt, wilt d als winden dich?
wnest dich entwinden mir?
nein, ich kann ouch winden mich!
d wilt sre ghen,
und ist ouch unnhen,
daz ich dir noch sule versmhen.

2.
D hst lieber dinge vil,
der mir einez werden sol.
Werlt, wie ich daz verdienen wil!
doch solt d gedenken wol,
ob ich ie getrte
fuoz von mner stte,
st d mich dir dienen bte.

3.
Werlt, d solt niht umbe daz
zrnen, daz ich lnes man.
trste mich ein wnig baz,
sich mich minneclchen an.
d maht mich wol pfenden
und mn heil erwenden:
daz stt, frouwe, in dnen henden.


4.
Ich enweiz wie dn wille st
wider mich: der mne ist guot
wider dich! waz wilt d m,
Werlt, von mir wan hhen muot?
wilt d bezzer wunne
danne man dir gunne
fride und der gehelfen kunne?

5.
Werlt, tuo m des ich dich bite,
volge wser liute tugent!
d verderbest dich d mite,
wilt d minnen tren jugent!
bite die alten re,
daz si wider kre
und aber dn gesinde lre.

 
1.
Wie soll man sich Dir gegenber verhalten,
Welt, wenn Du Dich so winden willst?
Glaubst Du, Dich mir zu entwinden?
Nein, auch ich kann mich winden!
Du hast es sehr eilig,
aber es ist noch nicht die Zeit,
da ich Dich geringschtzen werde.

2.
Du hast viele angenehme Dinge,
von denen mir eines zuteil werden sollte.
Welt, wie ich dafr Dienste leisten werde!
Doch sollst Du das wohl bedenken,
ob ich je einen Fubreit
von meiner Treue abgewichen bin,
seit Du mich gebeten hast, Dir zu dienen.

3.
Welt, Du mut nicht deshalb
zrnen, da ich Lohn anmahne.
Trste mich ein wenig mehr,
sieh mich liebevoll an.
Du kannst mich wohl berauben
und mein Glck verjagen:
Das liegt, Herrin, in Deinen Hnden.

4.
Ich wei nicht, wie Deine Gesinnung ist
mir gegenber: die meine ist gut
Dir gegenber! Was willst Du mehr,
Welt, von mir, als Hochgestimmtheit?
Willst Du grere Wonnen
als da man Dir Freude vergnnt
und einen, der dazu verhelfen knnte?

5.
Welt, tue berdies, worum ich Dich bitte,
folge dem Vorbild weiser Leute!
Du richtest Dich dadurch zugrunde,
wenn Du die trichte Jugend lieben willst!
Bitte die alte Ehrenhaftigkeit,
da sie wiederkehre
und Dein Gesinde wieder unterweise.