Der Tannhäuser
   
 

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Minnesänger

Tannhäuser, mittelhochdeutsch Tanhûser
geb. um ca.1205
gest. um ca.1267




Er
war ein deutscher Minnesänger und Spruchdichter. Seine Lebensdaten sind unbekannt;
historisch
datierbare Hinweise in seiner Lyrik weisen auf die Jahre zwischen 1245 und 1265.

Über seine Biographie ist wenig bekannt.
Tannhäuser war ein fahrender Berufsdichter. Ein
ige Zeit lang wirkte er am Hof Herzog Friedrichs des
Streitbaren von Österreich
. Eine Teilnahme am Fünften Kreuzzug ist möglich.


Leich.
Kommt von germanisch "laik" (Tanz, Spiel) und althochdeutsch "leih" (gespielte Weise)
Der Leich ist eine
Form mittelhochdeutscher Lyrik und geht zurück auf die lateinischen Sequenzen des Kirchengesanges. Vom Inhalt her unterscheidet man religiöse, Minne, und Tanz-Leich.
 

 

Ein Leich
 

1.
Der winter ist zergangen,
daz prüeve ich ûf der heide.
aldar kam ich gegangen;
guot wart mîn ougenweide.

2.
Von den bluomen wolgetân.
wer sach ie sô schoenen plân?
der brach ich zeinem kranze, den truoc ich mit
tschoie zuo den frouwen an dem tanze. well ieman
werden hôchgemuot der hebe sich ûf die schanze!

3.
Dâ stêt vîol unde klê,
sumerlaten gamandre,
die werden zîtelôsen, ôstergloien
vant ich dâ, die liljen und die rôsen. dô wunschte
ich, daz ich sant mîner frouwen solde kôsen.

4.
Sí gap mir an ir den prîs,
daz ich waere ir dulz amîs
mit dienste disen meien;
durch si sô wil ich reien.

5.
Ein fores stuont dâ nâhen,
aldar begunde ich gâhen.
dâ hôrte ich mich empfâhen
die vogel alsô suoze.
sô wol dem selben gruoze!

6.
Ich hôrt dâ wol tschantieren,
die nahtegal toubieren.
aldâ muost ich parlieren
ze rehte, wie mir waere:
ich was ân alle swaere.

7.
Ein riviere ich dâ gesach:
durch den fores gienc ein bach
ze tal über ein plâniure. ich sleich ir nâch,
unz ich si vant, die schoenen creâtiure:
bî dem fontâne saz diu klâre, süeze von faitiure.

8.
Ir ougen lieht und wolgestalt,
si was an sprüchen niht ze balt,
man mehte si wol lîden;
ir munt ist rôt, ir kele ist blanc,
ir hâr reitval, ze mâze lanc,
gevar alsam die sîden. solde ich vor ir ligen tôt,
in mehte ir niht vermîden.

9.
Blanc alsam ein hermelîn
wâren ir diu ermelîn.
ir persône diu was smal,
wol geschaffen überal.

10.
Ein lützel grande was si dâ,
smal geschaffen anderswâ.
an ir ist niht vergezzen:
lindiu diehel, slehtiu bein, ir füeze wol gemezzen.
schoener forme ich nie gesach, diu mîn cor hât
besezzen. an ir ist elliu volle. dô ích die
werden erest sach, dô huop sich mîn parolle.

11.
Ich wart frô
und sprach dô: "frouwe mîn,
ich bin dîn, du bist mîn,
der strît der müeze iemer sîn!du bíst mir
vor in allen. iemer an dem herzen mîn muost
du mir wol gevallen. swâ man frouwen
prüeven sol, dâ muoz ich für dich schallen,
an hübsch und ouch an güete du gîst
aller contrate mit tschoie ein hôchgemüete."

12.
Ich sprach der minneclîchen zuo:
"got und anders nieman tuo,
der dich behüeten müeze!"
ir parol der was süeze.

13.
Sâ neic ich der schoenen dô.
ich wart an mînem lîbe frô
dâ von ir saluieren.
si bat mich ir tschantieren
von der linden esten
und von des meien glesten.

14.
Dâ diu tavelrunde was,
dâ wir dô schône waren,
daz was loup, dar under gras,
si kunde wol gebâren.

15.
Da was niht massenîe mê
wan wír zwei dort in einem klê.
si leiste, daz si solde,
und tet, daz ich dâ wolde.

16.
Ich tet ir vil sanfte wê, ich wünsche,
daz ez noch ergê. ir zimet wol daz lachen.
dô begunden wir beide dô ein gemellîchez
machen. daz geschach von liebe
und ouch von wunderlîchen sachen.

17.
Von amûre seit ich ir,
daz vergalt si dulze mir.
si jach, si lite ez gerne, daz ich ir taete,
als man den frouwen tuot dort in Palerne.

18.
Daz dâ geschach, dâ denke ich an.
si wart mîn trût und ich ir man.
wol mich der âventiure!
erst iemer saelic, der si siht,
sît daz man ir des besten giht.
si íst alsô gehiure.elliu granze
 dâ geschach von uns ûf der plâniure.

19.
Ist iemen dem gelinge baz,
daz lâze ich iemer âne haz.
si was sô hôhes muotes,
daz ich vergaz der sinne.
got lône ir alles guotes!
sô twinget mich ir minne.

20.
Waz ist daz, daz si mir tuot?
allez guot, hôhen muot
habe ich von ir iemer.
in vergizze ir niemer.

21.
Wol ûf, wol ûf Adelheit!
du solt sant mir sîn gemeit.
wol ûf, wol ûf Irmengart!
du muost aber an die vart.

22.
Diu niht enspringet, diu treit ein kint.
sich fröunt algemeine, die dir sint.

23.
Dort hoere ich die flöuten wegen,
hie hoere ích den sumber regen.
der uns helfe singen,
disen reien springen,
dem müeze wol gelingen
zallen sînen dingen!

24.
Wâ sint nu diu jungen kint,
daz si bî uns niht ensint?
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .

25.
So saelic si mîn Künigunt!
solt ich si küssen tûsentstunt
an ir vil rôsevarwen munt,
sô waere ich iemer mê gesunt,
diu mir daz herze hât verwunt
vaste unz ûf der minne grunt.

26.
Daz ist enzwei.
heiâ nu hei!

27.
Des videlaeres seite
der ist enzwei.
 
1.
Der Winter ist vorbei,
das sehe ich an der Heide.
Dorthin war ich hingegangen;
O gute Augenweide.

2.
Wer sah jemals einen so schönen Teppich von
prachtvollen Blumen? Von denen pflückte ich
welche zu einem Kranz, den trug ich mit Lust
zu den tanzenden Frauen. Wenn jemand froh
werden will, der soll sein Glück probieren!

3.
Da stehen Veilchen und Klee,
junge Sprösslinge, Gamander,
edle Narzissen, Osterglocken sah ich dort,
Lilien und Rosen. Da wünschte ich mir,
zusammen mit meiner Herrin zu plaudern.

4.
Sie erwies mir die Ehre,
ihr doux ami zu sein
und ihr zu dienen in dieser Maienzeit.
Ihr zuliebe will ich den Reigen tanzen.

5.
Ein Wald war da in der Nähe,
dorthin eilte ich.
Da hörte ich, dass mich die Vögel
herzlich empfingen.
Gesegnet sei ein solcher Gruß!

6.
Ich hörte dort, die Nachtigall
schön singen und flöten.
Da musste ich dann reden
so recht nach meiner Stimmung:
ich war völlig unbeschwert.

7.
Einen Fluss sah ich dort:
durch den Wald floss ein Bach
hinab über eine Lichtung. Ich ging ihr nach,
bis ich das schöne Wesen sah. An der Quelle
saß die strahlende, die süße Wohlgestalt.

8.
Ihre Augen sind hell und schön geformt,
sie war in ihrer Rede nicht zu kühn,
man konnte sie wohl gernhaben.
Ihr Mund ist rot, ihr Hals ist weiß,
ihr Haar blondgelockt, von richtiger Länge,
von Aussehen wie Seide. Sollte ich auch tot
vor ihr liegen, ich kann sie nicht aufgeben.

9.
Weiß wie Hermelin
waren ihre feinen Arme.
Ihre Gestalt war schlank,
überall wohlgeformt.

10.
Hier war sie ein wenig üppig, anderswo wieder
ganz zart gebaut. Nichts ist an ihr vergessen
worden: weiche Schenkel, gerade Beine, hübsch
geformte Füße. Eine schönere Figur, die mein Herz
in Bann schlug, habe ich nie gesehen.
An ihr ist alles vollkommen. Als ich die edle
Frau zuerst sah, da wurde ich ganz beredt.

11.
Ich wurde froh
und sagte da: "Meine Herrin,
ich bin dein, du bist mein,
der Wettstreit möge nie aufhören! Du stehst für
mich über allen anderen Frauen. Immer sollst du
mir in meinem Herzen gefallen. Wo immer man
Frauen miteinander vergleicht, da muss ich Zeugnis
für dich ablegen für deine Schönheit und Güte.
Du versetzt alle Länder in freudige Stimmung."

12.
Ich sagte zu der Lieblichen:
"Gott selbst und niemand sonst
soll dich beschützen."
Ihre Antwort war einfach süß.

13.
Da verneigte ich mich vor der Schönen.
Ich wurde ganz vergnügt,
über ihren Gruß.
Sie bat mich,
ihr von den Ästen der Linde,
und von dem Glanz des Frühlings zu singen.

14.
Dort wo die Tafelrunde war,
und wo wir uns wohl fühlten
da gab es Laub, darunter Gras.
Sie verstand es, sich reizend zu benehmen.

15.
Da gab es keine anderen Leute
als wir zwei dort im Kleefeld.
Sie tat, was sie sollte
und erfüllte, was ich wollte.

16.
Ich tat ihr auf eine sanfte Weise weh.
Ich wünschte, es könnte noch einmal geschehen.
Ihr stand das Lachen sehr gut. Da trieben wir beide
ein vergnügliches Spiel. Das geschah aus Liebe
und wegen anderer seltsamer Dinge.

17.
Von Liebe sprach ich ihr,
das vergalt sie mir in süßer Weise. Sie sagte,
sie würde es gerne haben, dass ich es so mit ihr
triebe, wie man in Palermo mit den Frauen umgeht.

18.
Was da geschah, daran denke ich noch.
Sie wurde meine Geliebte, ich ihr Mann.
Welch ein Erlebnis!
Der schätzt sich auf immer glücklich, der sie
anschaut, da man ihr nur das Beste nachrühmt.
Sie ist ja so reizend. Dort auf der Lichtung
erlaubten wir uns, alles zu tun, was wir wollten.

19.
Wenn es jemanden gibt, der es noch besser trifft,
dann habe ich nichts dagegen.
Sie begeisterte mich so,
dass mir meine Sinne schwanden
Gott belohne sie für alles Gute!
So sehr bringt ihre Minne mich um den Verstand.

20.
Was macht sie mit mir?
Nur Gutes. Höchste Lebensfreude
habe ich immer durch sie,
ich kann sie nie mehr vergessen.

21.
Wohlauf, wohlauf Adelheid!
Du sollst zusammen mit mir fröhlich sein.
Wohlauf, wohlauf, Irmengard!
Du musst wieder mit.

22.
Die nicht tanzt, die bekommt ein Kind.
Alle, die hier sind, die sind miteinander vergnügt.

23.
Dort höre ich die Flöten einsetzen,
hier höre ich die Handtrommel schlagen.
Wer mit uns dieses Tanzlied
singen und tanzen will,
dem soll gelingen
bei allem, was er sich wünscht.

24.
Wo sind jetzt die jungen Leute,
dass sie nicht hier bei uns sind?
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .

25.
Gepriesen sei meine Kunigunde!
Dürfte ich sie tausendfach
auf ihren rosigen Mund küssen,
sie, die mir das Herz
tief bis auf den Grund verwundet hat,
so wäre ich auf immer gesund.

26.
Das Herz ist entzwei,
heia nun hei!

27.
Des Fiedlers Saite
ist entzwei!
 

Nun ein "Kreuzlied"

1.
Wol im, der nû beizen sol
zePülle ûf dem gevilde!
der birset, dem ist dâ mit wol,
der siht sô vil von wilde.
Sumlîche gânt zen brunnen,
die andern rîtent schouwen;
der fröide ist mir zerunnen.
die bannet man bî den frowen,
Des darf man mich niht zîhen.
ich birse ouch niht mit winden,
ich beisse ouch niht mit valken,
in mag niht fühse gejagen,
man siht ouch mich niht volgen
nâch hirzen und nâch hinden;
mich darf ouch nieman zîhen
von rôsen schappel tragen.
Man darf ouch mîn niht warten,
dâ stêt der grüene klê,
noch suochen in dien garten
bî wolgetânen kinden:
ich swebe ûf dem sê.

2.
Ich bin ein erbeit saelig man,
der niene kan belîben
wan hiute hie, morne anderswan.
sol ich das iemer trîben,
Des muos ich dike sorgen,
swie froelîch ich dâ singe,
den âbent unde den morgen,
war mich das wetter bringe,
Das ich mich sô gefriste
ûf wasser unde ûf lande,
das ich den lîb gefüere
unz ûf die selben stunt.
ob ich den liuten leide
in snoedem gewande,
sô wirt mir diu reise
mit freise wol kunt.
Daran solde ich gedenken,
die wîle ich mich vermag:
in mag im niht entwenken,
ich muos dem wirte gelten
vil gar ûf einen tag.

3.
Wâ leit ie man sô grôsse nôt
als ich von boesem trôste?
Ich was zeKrîde vil nâch tôt,
wan das mich got erlôste.
Mich sluogen sturnwinde
vil nâch zeinem steine
in einer naht geswinde-
mîn fröide diu was kleine.
Die ruoder mir zerbrâchen-
nû merkent, wie mir waere!
die segel sich zerzarten,
si flugen ûf den sê.
die marner alle jâhen,
daz si sô grôsse swaere
nie halbe naht gewunnen-
mir tet ir schrîen wê.
Das werte sicherlîchen
unz an den sehsten tag.
in mahte im niht entwîchen,
ich muos es alles lîden,
als der niht anders mag.

4.
Die winde, die sô sêre waent
gegen mir von Barbarîe,
das si sô rehte unsüesse blaent,
die andern von Türggîe!
Die welle unde ouch die ünde
gent mir grôs ungemüete:
daz sî für meine sünde-
der reine got mîn hüete.
Mîn wasser das ist trüebe,
mîn piscot der ist herte,
mîn fleisch ist mir versalzen,
mir schimelget mîn wîn.
der smak, der von der sutten gât,
der ist niht guot geverte:
dâ für naeme ich der rôsen ak,
und mehte es wol gesîn!
Zisern unde bônen
gent mir niht hôhen muot.
wil mir der hôhste lônen,
sô wirt das trinken süesse
unde ouch diu spîse guot.

5.
Ahî, wie saelig ist ein man,
der für sich mag gerîten!
wie kûme mir der gelouben kan,
das ich muos wînde biten!
Der Schrok von Oriende,
unde der von Tremundâne,
unde der von Occidende,
Arsûre von dem plâne,
Der Meister ab den Alben
der Krieg ûs Rômânîe,
der Levandân unde Ôster,
die mir genennet sint;
ein wint von Barbarîe waet,
der ander von Türggîe,
der norten kumt; der Mezzot,
seht, das ist der zwelfte wint.
Waer ich ûf dem sande,
der namen wisse ich niht:
durch got ich fuor von lande
unde niht dur dise frâge,
swie wê halt mir geschiht.
 

1.
Glücklich der, der jetzt auf den Gefilden
Apuliens zur Beizjagd gehen kann!
Wer dort auf die Pirsch zieht, der kommt auf seine
Kosten, soviel Wild trifft er dort an.
Da gehen die einen zu den Quellen,
die anderen reiten spazieren; für mich aber
existieren solche Freuden nicht mehr.
Freilich, die Gegenwart höfischer Damen bannt
solch freudlosen Zustand,
aber genau das trifft auf mich nicht zu.
Und ich gehe auch nicht mit Windhunden auf die Pirsch,
ich jage weder mit Falken,
noch darf ich auf die Fuchsjagd ziehen,
man sieht mich auch nicht,
wie ich Hirschen und Hinden nachstelle,
und niemand darf von mir behaupten,
ich liefe mit einem Kränzlein aus Rosen herum.
Mann kann mich auch dort nicht antreffen,
wo der grüne Klee steht, noch darf man mich in den
Gärten suchen, bei den hübschen jungen Mädchen:
ich treibe auf dem Meer.

2.
Ich bin ein leidgeprüfter Mann,
der nirgends eine Bleibe hat,
heute hier, morgen da.
Dass das möglicherweise immer so gehen wird,
ist meine größte Sorge;
wie fröhlich meine Lieder auch klingen mögen,
ich sorge mich des Abends und des Morgens,
wohin das Wetter mich noch verschlagen wird,
wie ich mein Leben friste,
zu Wasser und auf dem Lande,
wie ich mich durchschlage,
bis meine Stunde gekommen ist.
Wenn ich den Menschen zuwider bin
in meinem schäbigen Rock,
so wird mir mit Schrecken bewusst,
auf welche Fahrt ich mich eingelassen habe.
Das eine aber sollte ich nicht vergessen,
solange ich meiner Sinne mächtig bin:
ich kann mich ihm nicht entziehen,
ich muss dem Herrn Rechenschaft ablegen,
restlos, am letzten Tag.

3.
Wo hat je ein Mann so viel gelitten wie ich,
dessen Hoffnungen bitter enttäuscht wurden?
Bei Kreta wäre ich beinahe ums Leben gekommen,
hätte nicht Gott mich da errettet.
Sturmwinde schleuderten mich
gegen eine Klippe,
bei Nacht, ganz unerwartet-
meine Freude war nicht sehr groß.
Die Ruder zerbrachen mir-
passt nur auf, wie es mir erging!
Die Segel zerfetzten
und flogen aufs Meer.
Die Matrosen gaben durchweg zu,
dass sie solches Unwetter
nicht einmal eine halbe Nacht lang durchstehen könnten-
mir tat ihr Schreien weh.
Und doch hielt es ungelogen
bis zum sechsten Tag an.
Ich konnte ihm nicht entkommen,
ich musste alles ertragen, wie einer,
dem keine andere Wahl bleibt.

4.
Diese Winde, die mir aus Berberland
so heftig entgegenblasen!
Und die anderen, die aus der Türkei,
dass sie so toben müssen!
Wogen und Wellen
bereiten mir großes Unbehagen:
Ich nehme es als Buße für meine Sünden-
Gott der Gerechte sei mir gnädig!
Mein Trinkwasser ist brackig,
mein Zwieback hart,
mein Fleisch versalzen,
der Wein schimmelt mir.
Der >Wohlgeruch<, der aus dem Schiffsraum aufsteigt,
ist kein angenehmer Gesell;
ich tauschte gerne den >Gestank< der Rosen dafür ein-
wenn das doch nur möglich wäre!
Kichererbsen und Bohnen
versetzen mich nicht gerade in höfische Hochstimmung.
Doch will der Höchste mich belohnen,
so wird mein Wasser wieder süß
und meine Speise wieder gut.

5.
Wie glücklich ist doch ein Mann,
der vor sich hin reiten kann!
Der wird mir kaum glauben können,
dass ich hier auf Winde warten muss!
Der Schirokko aus dem Orient
und der von Tramontana
und der aus Okzident,
Arsura aus der Wüste,
der Mistral von den Alpen,
der Greco aus der Romania,
der Levanto und der Austro-
die hat man mir genannt;
ein weiterer Wind weht aus Berberland,
ein anderer aus der Türkei,
und wieder einer aus Norden; schließlich der Mezzodi,
seht, damit sind es genau zwölf Winde.
Wäre ich am sicheren Ufer,
so wüsste ich diese Namen nicht.
Um Gott zu dienen, habe ich das Land verlassen,
und nicht um dieser Erfahrung willen,
so dreckig, wie es mir jetzt geht.
 

1.
Steter dienest der ist guot.
Den man schonen frouwen tuot.
Als ich miner han getan.
Der muos ich den salamander bringen.
Eines hat si mir gebotten.
Daz ich schike ir abe den rotten.
Hin provenz in das das lant
Ze nuerenberg so mag mir wol gelingen.
Unde die tuonouwe uber rin
Fuege ich das so tuot si swes ich muote.
Spriche ich ia si sprichet nein.
Sus so hellen wir en ein.
Dank so habe diu frowe min.
Sist geheissen guote.
Heia hei
sist ze lange gewesen us miner huote.

2.
La hiute unde iemer mere ia.
Heilalle unde aber ia.
Ziehent herze wafena.
Wie tuot mir diu liebe so
Diu reine unde div vil guote.
Daz si mich niht machet fro.
Des ist mir we ze muote.

3.
Mich fröit noch bas ein lieber wan.
Den ich von der schonen han.
So der miuseberg zerge
Sam der sne. So lonet mir diu reine.
Alles des min herze gert
Des bin ich an ir gewert.
Minen willen tuot si gar.
Buwe ich ir ein hus von helfenbeine.
Swa si will uf einen se.
So habe ich ir friuntschaft unde ir hulde.
Bringe ich ir von galylee
Her an alle schulde.
Einen berk gefuoge ich daz.
Da her adan uffe sas.
Heia hei
daz were aller dienste ein uber gulde

4.
La hiute unde iemer mere ia.
Heilalle unde aber ia.
Ziehent herze wafena.
Wie tuot mir diu liebe so
Diu reine unde div vil guote.
Daz si mich niht machet fro.
Des ist mir we ze muote

5.
Ein boun stan in yndian.
Gros den wil si von mir han.
Minen willen tuot si gar.
Seht ob ich irs alles her gewinne.
Ich muos gewinnen ir den gral.
Des da pflag her parcyfal.
Unde den apfel den paris
Gab dur minne uenus der güttine.
Unde den mantel der beslos
Gar die frowen diu ist unwandelbere.
Dannoch wil si wunder gros.
Daz ist mir worden swere.
Ir ist nach der arke we.
Diu beslossen hat noe.
Heia hei
brehte ich die wie lieb ich danne were.
 
1.
Treue Dienste, die sind gut,
Die man edlen Damen tut.
Ich habe meine auch getan,
Durfte ihr den Salamander bringen.
Weiter hat sie mir befohlen,
Ihr das Meer vors Haus zu holen,
Ich befolgte jeden Plan,
Wollte ja ihr stolzes Herz bezwingen.
Schick die Donau in den Rhein,
So und ähnlich klangen die Befehle.
Denn bei mir, da gibt es kein Nein,
Du sollst ganz mein Diener sein,
Dass ich dich, ja, dich allein,
Mir zum Liebsten wähle,
Heiahei!
Mir gehört dein Herz und deine Seele!"

2.
Heute will sie viel und morgen noch viel mehr.
Das, was sie will, das bring ich her,
Doch macht sie mir das Herz nur schwer.
Warum quält mich die Liebste so,
Die Edle, Holde und Gute?
Ihr wisst, sie macht mich niemals froh,
Da wird mir weh zumute!

3.
In meinem süßen Liebeswahn
Habe ich dies und das getan,
Sang die schönsten Lieder ihr,
War sie nicht die beste aller Frauen?
Sie versprach mir ihre Huld,
Bat mich aber um Geduld,
Schon verlangte sie von mir,
Ihr ein Haus aus Elfenbein zu bauen.
Einen See direkt ans Haus,
Mitten zwischen ewig grünen Bäumen.
Schnell, mein Diener, mach dich raus!
Ach, so nutzte sie mich aus.
Und ich baute an dem Haus,
Folgte ihren Träumen,
Heiahei!
Musste fast mein eignes Glück versäumen.

4.
Heute will sie viel und morgen noch viel mehr.
Das, was sie will, das bring ich her,
Doch macht sie mir das Herz nur schwer.
Warum quält mich die Liebste so,
Die Edle, Holde und Gute?
Ihr wisst, sie macht mich niemals froh,
Da wird mir weh zumute!

5.
Nur aus Indien noch ein Baum
Fehlte ihr in ihrem Raum.
Schnell schon war ich wieder da,
Dass ich ihren nächsten Wunsch erriete.
Ja, den Gral vom Parzival
Wollte sie dann auch noch mal
Mit dem Apfel - ist das klar? -,
Den einst Paris schenkte Aphrodite.
Nein, sie gab so schnell nicht auf,
Auch Marias Mantel wollte sie haben.
Alles nahm ich still in Kauf,
Ließ den Launen ihren Lauf,
Trieb selbst Noahs Arche auf
Und noch mehr Wundergaben,
Heiahei,
Doch jetzt sollen andere weiterdarben.
 

Minnesänger