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Reichsklage
 

Palästinalied
 

Die jüngere Forschung bezieht dieses Lied auf den 5. Kreuzzug 1227-28/29 den Friedrich II. durch einen Vertrag
(Februar 1229) beendete, der indes (insbesonders seitens der Kirche) nicht umstritten war.
Das Lied wird demnach auf (Früh-)Sommer 1229 angesetzt und als eine "publizistische Rechtfertigung" der Palästinerpolitik
Friedrich II. gedeutet.

 

Alrêrst lebe ich mir werde
Palästinalied

 

Alrêrst lebe ich mir werde,
sît mîn sündic ouge siht
daz reine lant und ouch die erde,
der man sô vil êren giht.
ez ist geschehen, des ich ie bat:
ich bin komen an die stat,
dâ got menischlîchen trat.


Schœniu lant, rîch unde hêre,
swaz ich der noch hân gesehen,
sô bist dûs ir aller êre.
waz ist wunders hie geschehen!
daz ein magt ein kint gebar,
hêre über aller engel schar,
waz daz niht ein wunder gar?

Hie liez er sich reine toufen,
daz der mensche reine sî.
dô liez er sich hie verkoufen,
daz wir eigen wurden frî.
anders wæren wir verlorn.
wol dir, spêr, kriuze und dorn!
wê dir, heiden, daz ist dir zorn!

Dô er sich wolte über uns erbarmen,
dô leit er den grimmen tôt,
er vil rîch über uns vil armen,
daz wir komen ûz der nôt.
daz in dô des niht verdrôz,
dâst ein wunder alze grôz,
aller wunder übergenôz.

Hinnen vour der sun
zer helle,
von dem grabe, d
â er inne lac.
des was der vater ie geselle
und der geist, den nieman mac
sunder scheiden, ez sî ein,
sleht und ebener danne ein zein,
als er Abrahâme erschein.

Dô er den tiufel alsô geschande,
daz nie keiser baz gestreit,
dô vuor er her wider ze lande.
dô huob sich der juden leit:
daz er, hêrre, ir huote brach
und daz man in sît lebendig sach,
den ir hant sluog unde stach.


In daz lant hât er gesprochen
einen angeslîchen tac,
dâ der weise wirt gerochen
und diu witwe klagen mac
und der arme den gewalt,
den man hât mit in gestalt.
wol im dort, der hie vergalt!


Unserre lantrehter tihten
fristet d
â niemannes klage,
wan er will d
â ze stunt rihten.
sô ist ez an dem lesten tage.
und swer deheine schulde hie l
ât
unverebent: wie der st
ât
dort, d
â er pfant noch bürgen hât.

Kristen juden und die heiden
jehent, daz diz ir erbe sî.
got müeze ez ze rehte scheiden
durch die sîne namen drî.
al diu werlt, diu strîtet her:
wir sîn an der rehten ger.
reht ist, daz er uns gewer!

 

Jetzt erst lebe ich würdig,
seit mein sündiges Auge erblickt

das reine Land und auch die Erde,
der man so viel Verehrung entgegenbringt.
Es ist eingetroffen, worum ich stets gebeten habe:
ich bin an die Stätte gekommen,
wo Gott als Mensch gegangen ist.


Schöne Länder, reich und herrlich,-
was ich von solchen bis heute gesehen habe,
so bist Du die Krone von allen.
Was für ein Wunder ist hier geschehen!
Daß eine Jungfrau ein Kind gebar,
erhaben über die ganze Schar der Engel,
war das nicht ein vollkommenes Wunder?


Hier ließ er, der Sündenlose, sich taufen,
damit der Mensch sündelos sei.
Dann ließ er sich hier verkaufen,
damit wir Unfreie frei würden.
Sonst wären wir verloren.
Heil Dir, Speer, Kreuz und Dorn!
Weh dir, Heidenschaft, das ist Dir ein Ärgernis!


Da er sich unsrer erbarmen wollte,
da erlitt er den grausamen Tod,
er, der Allmächtige, für uns so Armselige,
damit wir der Not entkämen.
Daß ihm das damals nicht zuviel war,
das ist ein übergroßes Wunder,
ein Wunder, das seinesgleichen nicht hat.

Von hier
fuhr der Sohn zur Hölle
aus dem Grabe, worin er lag.
Dabei war stets der Vater Beistand
und der Geist, den niemand kann
von ihnen sondern, es soll eines sein,
klar und einheitlicher als ein Lichtstrahl,
so wie er Abraham erschien.


Als der Teufel so zuschanden gemacht hatte,
wie ihn kein Kaiser besser bekämpft hätte,
da kam er wieder zurück ins Land.
Da hob der Juden Verhängnis an:
Daß er, der Herr, ihre Bewachung durchbrach
und daß man den seither lebend sah,
den ihre Hand geschlagen und durchstochen hatte.


Für
das Land hat er angekündigt
einen schrecklichen Gerichtstag,
an dem die Waise gerächt werden wird
und die Witwe Klage erheben kann
- und der Arme – gegen die Gewalt,
die man ihnen angetan hat.
Wohl dem dort, der hier gesühnt hat!

Nicht wie beim Wirken unserer Landrichter
schiebt man da niemandes Klage auf,
denn er wird da sofort Recht sprechen.
So wird es am Jüngsten Tage sein.
Und wer irgendeine Schuld hienieden zurückläßt-
ungetilgt: Wie steht er da,
dort, wo er weder Pfand noch Bürgen hat.

Christen Juden und die Heiden
behaupten, daß dies ihr Erbe sei.
Gott möge es rechtens entscheiden
um seiner drei Wesenheiten willen.
Die ganze Welt, die liegt hierüber im Streit:
Wir haben einen berechtigten Anspruch.
Recht ist, daß er es uns zuspricht!