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Fabelverzeichnis
Das Pantschatantra
(Sanskrit, pañcatantra, wörtl.: "fünf Gewebe")
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Eine Buchseite aus dem
Panchatantra (persische Handschrift, 15. Jh.)
Das Pantschatantra
ist eine indische Dichtung, eine Sammlung von Fabeln, Märchen und
Geschichten.
Diese wurden als Stoff für die Erziehung der Prinzen am Hofe
benutzt, um die Kunst der
Verwaltung und weltliche Weisheiten zu vermitteln. Später wurde es
als Buch für die
Jugend generell verwendet.
Jedes der fünf Bücher des Pantschatantra steht unter einem Thema, zu
dem
Geschichten erzählt werden, ergänzt durch eine große Anzahl von
angehängten und
eingefügten Lebensweisheiten. Die Erzählungen sind meist sehr
umfangreich und mit
märchenhaften Zügen versehen, und eine Erzählung enthält oft mehrere
Lehren
verschiedener Art.
Die lehrreichen Texte von Pantschatantra hatten ihre moralischen
Ursprünge in den
großen Lehren wie Brahmanismus bzw. Hinduismus, Zoroastrismus und
Buddhismus,
Weltanschauungen, die die Wiedergeburt anerkennen. (Buddha soll in
einem früheren
Leben ein Tier gewesen sein).
Die Fabeln, Märchen und Geschichten von Pantschatantra sind von
Generation zu
Generation, von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent
weitererzählt worden.
In jedem Kulturkreis bekam die Fabelsammlung einen anderen Namen:
Pantschatantra,
Kalila Dimna und Panj Ketab. Die Erzähler der jeweiligen Epochen und
Regionen haben
entsprechend ihrer Phantasien der Urquelle weitere Dichtungen und
Legenden
hinzugefügt,
sie geändert und modifiziert. Auch Veränderungen
seitens der Übersetzer
sind nicht ausgeschlossen.
Die abendländische Antike kennt einigermaßen auch diese Form der
Tiergeschichten
z.B. in Ovids "Metamorphose von Pyramus und Thisbe."
Diese Geschichte, in komprimierter Form, füge ich hiermit an:
Bild:
Niklaus Manuel 1484-1530
Pyramus und Thisbe sind ein babylonisches Liebespaar, welches sich
aufgrund der
Feindschaft seiner Eltern nicht sehen darf. Die einzige Möglichkeit,
miteinander zu
kommunizieren, stellt ein Spalt in einer Wand dar, welche die Mitte der
Häuser bildet,
in denen auf der einen Seite Pyramus mit seinen Eltern und auf der
anderen Seite
Thisbe mit ihren Eltern leben.
Nach längerer Zeit vereinbaren Pyramus und Thisbe ein
nächtliches
Treffen unter
einem Maulbeerbaum, um Babylon für immer hinter sich zu lassen.
Thisbe, die früher als
Pyramus bei dem Maulbeerbaum eintrifft, flüchtet vor einer Löwin,
die an einer Quelle
trinkt und vom Fressen gerissenen Viehs noch ein blutiges Maul hat.
Dabei verliert sie
ihren Schleier, der von der Löwin zerrissen wird.
Als Pyramus erscheint, findet er den zerrissenen Schleier und nimmt
an, dass Thisbe
von der Löwin getötet worden sei und stürzt sich daher unter dem
Maulbeerbaum in
sein Schwert. Thisbe kehrt zurück, findet den sterbenden Geliebten
und stürzt sich
ebenfalls in dessen Schwert.
Als Pyramus sich selbst richtete,
wurden die Wurzeln des
Maulbeerbaums mit seinem Blut benetzt. Die Maulbeeren, die bisher
weiß waren, haben
von nun an eine rote Färbung.
Motive der Geschichte wurden von Shakespeare in seinem
Theaterstück "Romeo und
Julia" als Tragödie, in "Ein Sommernachtstraum" als Parodie
verarbeitet.
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