Minnesänger
Lieder 1-19
Ulrich von Liechtenstein
geb. um 1200
gest. 26.01.1275

Ulrich von Liechtenstein auf der Turnierfahrt um 1227 als Frau Venus
verkleidet.
Er ist ein Autor, der zu seinem
Vergnügen und dem seiner Zuhörer dichtete.
Da er aus einem wohlhabenden Haus stammt, war er nicht von Mäzenen
abhängig, wie die meisten
mittelalterlichen Autoren.
Die Lebenszeit Ulrichs von Liechtenstein umfasst einen für
mittelalterliche Verhältnisse überaus
langen Zeitraum. Er erreichte immerhin das hohe Alter von 78 Jahren.
1200 Ulrich von Liechtenstein kommt als Spross eines steirischen
Adelsgeschlechtes in der
Murauer Linie seines Geschlechtes zur Welt. Die Familie stammte von den
reichbegüterten
edelfreien Herren von Traisen-Feistritz, deren Besitz in Traisental
(Niederösterreich) und bei
Knittelfeld (Steiermark) lag.
Insgesamt drei Burgen befanden sich im Besitz Ulrich von Liechtensteins:
Schloss Murau, die
Frauenburg bei Unzmarkt und Burg Liechtenstein.
1200-1215 Von Kindheit an genießt er eine klassische Ritterausbildung,
im Rahmen derer er auch
bei einer edlen Dame, die er Zeit seines Lebens sehr verehrt, als Page
dient.
1215-1219 Der junge Ulrich ist Knappe bei Markgraf Heinrich von Istrien.
1223 Ulrich von Liechtenstein wird von Leopold VI. zum Ritter
geschlagen.
1227 reist er nach Rom und unternimmt als Frau Venus verkleidet eine
Turnierfahrt von Venedig
nach Böhmen.
1240 reist er als König Artus verkleidet durch Österreich und Böhmen.
Er zog in Verkleidung nicht nur wegen der zahlreichen Turniere, an denen
er teilnahm, durch das
Land, sondern auch, um z. B. den Streit zwischen Erzbischof Egbert von
Bamberg mit einem
Bruder des Markgrafen Heinrich von Istrien zu schlichten.
Ulrich war mit Perchta von Weissenstein verheiratet und hatte vier
Kinder:
Ulrich II. (urk. 1250-85); Otto II. (urk. 1252-1311), Diemut und
Perchta.
Ulrich war aber auch ein passionierter Literat.
1255 ist sein Werk "Frauendienst", das zum Teil autobiographisch, zum
Teil jedoch auch fiktional
war, fertig. Es enthält 58 Minnelieder, ein Leich, drei "Büchlein" und
sieben Briefe, drei davon in
Prosa.
1257 verfasste Ulrich sein zweites Werk, das "Frauenbuch". Dieses Werk
ist eine Mischung aus
Zeitklage und Belehrung.
1223-1260 Der Ritter nimmt aktiv am politischen Leben teil.
Er bekleidete einige bedeutende politische Ämter: In den Jahren
1244/1245 war er Truchsess
unter Herzog Friedrich II. von 1267-1272 war er Marschall; im Jahr 1272
auch Landrichter unter
Přemysl Ottokar.
Seine politische Tätigkeit ist aus 94 erhaltenen Urkunden, die vom
17.11.1227 - 27.07.1274
reichen, gut ablesbar. Seine Funktionen reichen vom Aussteller von
Urkunden, Vertragspartner,
Bürgen, Zeugen, Siegler und Schiedsrichter bis zum Vermittler im Auftrag
des des Landesherrn.
Der Führer des steirischen Adels war maßgeblich an den
Vorbereitungsarbeiten für den Anschluss
der Steiermark an das habsburgische Reich beteiligt. Auch sonst war
Ulrich von Liechtenstein ein
sehr politischer Mensch.
Über die letzten Lebensjahre ist wenig bekannt.
1278 Ulrich von Liechtenstein stirbt im damals hohen Alter von 78
Jahren. Er wird in Seckau
(Steiermark) begraben.
Büste Ulrichs von Liechtenstein
in Seckau